06.07.2010
Fußfall aus dem Jahre 1769 neu errichtet
von Lydia Aumüller

Foto L. Aumüller Bildstock am Weyrerkreuz aus dem Jahre 1769,
jetzt neu errichtet vom Verschönerungsverein, Villmar. v
links:,Georg Heun, Alfons Stein, Wolfgang schön, Alois Hawig,
Derzeit
konnte durch die Initiative des Verschönerungsverein am
Weyrerkreuz/Breitenweg
ein alter, desolater „Fußfall“ neu aufgebaut werden.
Vorsitzender
Wolfgang Schön führte mit Unterstützung der Vorstandsmitglieder
des Vereins dem Maurer Georg Heun, Alois Hawig und Dieter Jung
diese Arbeit in ca 60 Arbeitsstunden ehrenamtlich aus. Die Feinarbeit
zur Schriftlesung der Votivtafel hatte der Steinfachmann Alfons Stein übernommen.
In den Sockel des Bildstockes fügte Wolfgang Schön für die Nachwelt eine
Schatulle mit Bildern und Dokumenten zur Vereinsgeschichte und des
Marktfleckens Villmars sowie heutige Münzen ein.
Zunächst
musste das brüchige Backsteinmaterial und das Fundament des Bildstockes
abgebrochen und entsorgt werden. Größte Vorsicht war gefragt bei der Bergung
der darin befindlichen Votivtafel aus grau/schwarzem Villmarer Marmor aus dem
18. Jahrhundert, die auf einem Vasensockel aus demselben Gestein
ruhte. Ebenso auf das Marmorkreuz mit dem eingemeißelten Zeichen IHS-, das
als Krönung den Gedenkstein ziert.
Im
Jahre 1769 hatten hier das Ehepaar Jakob Schmitt und Anna Maria
geborene Geis auf der „Witz“, so hieß damals das Feldgelände, diesen
Bildstock aus Schalsteinen errichtet. Hundert Jahre später bekam
das religiöse Werk ein Gewand aus Backsteinen.
In
die Marmortafel von 58 x 45 cm schuf ein Bildhauer (vermutlich Burghard Hax)
das plastische Relief einer volkstümlichen Pieta auf gestockter Fläche
und meißelte darunter den Willen der Stifter:
1769
HABEN BEITHE EHLEUTH.
JACOB SCHMIT, ANNA MARIA, SEINE EHLICHE HAUSFRAU DIESES ZUEREN
GOTTES AUF RICHTEN LASEN.
WEHR JESUS LIEBT UND SEINE
MUTER MARIA NICHT BETRIEBT DER
WIRD ERHERT
Später wurde hinzugefügt: Renov. S. Jaik 1986.
Übrigens
hatte Simon Jaik im Jahre 1986 im Auftrag des Verschönerungsvereins über ein
Dutzend alter Bildstöcke und Feldkreuze der Gemarkung Villlmars überarbeitet
und lesbar gemacht.
Nach
1850 entwickelte sich das Umfeld des Kulturdenkmals zum Wohngebiet. Der
ehemalige Feldweg wurde erweitert und erhielt nach 1908 den Straßennamen
-Breitenweg-.
Bemerkenswert
ist, dass der Stifter Jakob Schmitt als Calvinist aus Münster kam und
vor seiner Heirat auf dem (katholischen) Hof Niklaus Dernbach als Schäfer
arbeitete. Anna Maria Geis kam aus Villmar (katholisch) und
schloss mit ihm am 7. Januar. 1748 den Bund fürs Leben. Im Jahre 1749
kam ihr Sohn Philipp auf dem Hofgut Niclaus Dernbach zur Welt, der
später ebenfalls den Beruf des Schäfers ausführte.